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file_download "Heimkehr in die Jugendzeit"

  • von Nikolaus Cybinski erschienen am 29/2021 in der Riehener Zeitung add remove

    Die zweite Schubertiade dieses Herbstes überraschte angenehm durch einige Besonderheiten:
    Hanno Müller-Brachmann sang die Liederzyklen «An die ferne Geliebte» (op. 98) von Beethoven, den «Schwanengesang» (D 957) von Schubert und, als Uraufführung, die «Vergänglichkeit» nach Gedichten von Johann Peter Hebel, die der Basler Komponist Thüring Bräm vertont hat. Die zweite Besonderheit: Der Bassbariton Hanno Müller-Brachmann ist ein Kind der Region, sang als Jugendlicher viele Jahre in der Basler Knabenkantorei, in der er auch mit der gesungenen alemannischen Sprache vertraut wurde, die er trotz seiner Karriere als Opernsänger im fernen Berlin immer noch beherrscht. Und das wurde überzeugend hörbar in Bräms Vertonung der sieben Gedichte.

    Musikalischer Einfallsreichtum
    Bräm zwischen Beethoven und Schubert? Ist das nicht zu gewagt? Ist es nicht! Die Uraufführung bewies, dass er als Komponist durchaus eigenständig besteht, denn der musikalische Einfallsreichtum, mit dem er die unterschiedlichen Stimmu1.1gen und Bilder der Gedichte in Klänge verwandelt, ist bewundernswert. Ob der «Wächter aus der Mitternacht», der «Wegweiser>>, der zum «Chrüzweg» führt, oder die «Vergänglichkeit», dieser gewaltige Text, in der unsere Region, auch Basel, im Untergang versinkt, dass nur noch zu sagen bleibt «Lueg, dört isch d' Erde gsi»: Das ist beeindruckend, weil Bräm eine Tonsprache erfindet, in der Hebels Blicke a:uf die Welt neu erscheinen. Auch dank des Klaviersatzes, den Jan Schultsz empfindsam verinnerlicht hat, und der die emotionalen Weckrufe und Mahnungen so sparsam «kommentiert», dass man sicher glauben kann, hier ereigne sich gerade ein Welttheater, das zwar furchtbar, doch auf alemannische Art - und das ist die des evangelischen Theologen und Bischofs - über die Bühne geht. Und hier kommt Hanno Müller-Brachmann ins Spiel. Er ist zwar kein Opernsänger mehr, aber dass er einst unter Barenboim und Kollegen ein erfolgreicher war, ist dem Liedsänger anzuhören. Er hat gelernt, die Nuancen auch mittelmässiger Texte - und davon gibt es bei Schubert wie auch in Bachkantaten welche - genau zu analysieren. Er weiss: Was geschrieben steht und bloss gesprochen ist, muss gesungen zum Ereignis werden, kann als aufrüttelndes Fortissimo erklingen oder als verhaltene bis leise Klage, und in den Heine-Gedichten ist davon ziemlich oft die Rede.

    Musik, die zu Herzen geht
    Was Hanno Müller-Brachmanns Gesang so hörenswert macht, ist sein souveränes Können, die oft abrupten Stimmungswechsel mühelos zu gestalten, ohne dass seine Stimme darunter leidet. Und an diesem Gesang ist Jan Schultsz wesentlich beteiligt. Der demnächst zweihundert Jahre alte Hammerflügel von Carl Strobel aus Wien wird nie dominant, was _Schultsz' nuanciertem Anschlagsspiel zu verdanken ist. Doch vor allem wohl dem Eigenklang dieses Instruments. Und diesen Eigenklang hatten Beethoven und Schubert immer im Ohr - schwer vorstellbar, sie hätten für einen Steinway komponiert. Da hätte dann der Vierzeiler «Wie sich die Welle/ An Welle reiht/ Fliessen die Tränen/ Mir ewig erneut», der heute einen Lacher provozieren würde, seine sentimentale Melancholie verloren. Doch von Müller-Brachmann gesungen und Schultsz gespielt wird daraus Musik, und zwar eine, die immer noch zu Herzen geht. Das machte diese Schubertiade so hörenswert. Langer Schlussbeifall in der gut besuchten Dorfkirche. Nikolaus Cybinski

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